Wochenbrief Nr. 2 (15.11. - 21.11.2004)

Die neue Woche begann mit Helikopterflügen über die mit Eisschollen bedeckte See. Etwa 20m unter dem Hubschrauber wurde inzwischen mehrfach ein 3m langes Messgerät geschleppt (EM bird), das mit Hilfe der elektromagnetischen Induktion die Eisdicken über lange Strecken aufnehmen kann. Auch wurden die ersten Bohrteams auf Eisschollen abgesetzt, die entlang der Fahrtroute eine großskalige Variabilität der Besiedlung durch Meereisorganismen untersuchen wollen. Am Dienstag wurde dann an einer stabilen Scholle für wenige Stunden angelegt, um notwendige Umstauarbeiten an einigen Containern durchzuführen, die problemlos auf dem Meereis zwischengelagert werden konnten. Die Zeit wurde gleichzeitig genutzt, zusätzliche Eiskerne zu erbohren. Zwei Kaiserpinguine kamen neugierig bis auf wenige Schritte näher, um das Treiben der merkwürdig gefärbten Wesen (alle Eisgänger trugen leuchtend orangene Overalls) in Augenschein zu nehmen.

In der Mitte der Woche wurde es nur kurzfristig deutlich kälter mit Temperaturen bis minus 10°C. Seitdem haben wir aber fast durchgehend wieder sommerliche Bedingungen mit Graden um den Gefrierpunkt. Zwischenzeitlich wurde das Schwimmbad "missbraucht". Die Tauchgruppe machte sich mit den neuen Geräten vertraut, die unter der Eisscholle zum Einsatz kommen sollen. Die Taucher wurden dabei von einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug (ROV) beobachtet, das auch seinen Test im Schwimmbecken mit wendigen Manövern und scharfen Videobildern hervorragend bestand.

Am Freitag wurde dann ein Großwasserschöpfer eingesetzt, der weitere Messdaten auf einer über Jahrzehnte hinweg beprobten Station lieferte. Die sogenannte CTD misst dabei kontinuierlich über die Tiefe Salzgehalt und Temperatur, in unserem Fall bis zum 4760m tiefen Meeresboden, und bringt aus vorher festgelegten Tiefen Wasserproben für weitere Analysen mit. Der seit vielen Jahren beobachtete Trend einer stetigen Erwärmung des Weddellmeer-Bodenwassers konnte nicht bestätigt werden, zumindest in diesem Jahr lagen die Werte auf ähnlichem Niveau wie 1996 und 1998 und dass bei einer Messgenauigkeit im Tausendstel Grad-Bereich.

Die regelmäßigen morgendlichen Berichte der einzelnen Arbeitsgruppen über ihre Programme sind inzwischen beendet und wurden durch Sitzungen abgelöst, in denen die Untersuchungen auf der Scholle koordiniert werden. Ein zwischenzeitlicher Gang auf die Brücke wurde meist mit der Sichtung antarktischer Warmblüter belohnt. Neben vereinzelten Kaiserpinguinen treffen wir regelmäßig Krabbenfresserrobben an, die auf den Eisschollen schlafen und bei Näherkommen des Schiffes interessiert den Kopf heben. Im Wasser selbst sind täglich mehrmals Minkewale zu sehen und am Freitag tauchten einige Orkas oder auch Schwertwale direkt in Schiffsnähe auf.

Da wir inzwischen auch den nächsten Sturm mit Böen bis zu 10 Windstärken durch unseren Aufenthalt im Treibeis fast unbemerkt überstanden haben, sind alle Mitreisenden wohlauf.

Mit den besten Grüßen aus dem antarktischen Eis im Namen aller Expeditionsteilnehmer

Michael Spindler