Wochenbrief Nr. 3 (22.11. - 28.11.2004)

Vielleicht das wichtigste zuerst: wir haben unsere Scholle erreicht und Polarstern ist mit Hilfe von Eisankern fest mit ihr verbunden. Aber erst einmal der Reihe nach. Am Montag musste sich Polarstern durch dickes Eis mit mächtiger Schneeauflage durchkämpfen, und das gelang manchmal erst nach einigen Rammversuchen. Am Tag darauf konnte der Hubschrauber eingesetzt werden und ein kleines Team suchte in der Gegend nach einer geeigneten Scholle, die für längere Zeit unsere Heimat werden sollte. Der Weg dorthin stellte sich aber als außerordentlich schwierig heraus. Häufig nahmen uns die Eisschollen so in die Zange, dass wir mehrfach stundenlang fest saßen. Nachdem wir schließlich am Donnerstag die Scholle eingehender untersuchen konnten, stellte sie sich als ungeeignet heraus. Durch die mächtige Schneeauflage wurde die Scholle so tief in das Wasser gedrückt, dass der eigentliche Eiskörper von den Seiten her überflutet war und sie wenige ebene Flächen für unsere Zeitserienbeprobung aufwies. Eine neue musste her. Das bedeutete weitere Erkundungsflüge und nachdem eine bessere Alternative gefunden wurde, neue Versuche, durch die teilweise Meter hohen Presseisrücken einen Weg dorthin zu finden. Am Freitagabend gerieten wir wieder, nur etwa 100m von "unserer" Scholle, in Eispressung, so dass das Anlegen schließlich am Samstag um 11.00 Uhr erfolgte. Unser erprobtes, international besetztes Erkundungsteam maß Eisdicken und identifizierte mögliche Arbeitsfelder auf der Scholle. Bei einer anschließenden Diskussionsrunde aller Wissenschaftler entschied sich dann, dass Polarstern noch einige Meter verholen musste, um den endgültigen Liegeplatz einzunehmen. Samstag wurden die zum Vertäuen notwendigen Eisanker gesetzt, und zwei "Straßen" ausgeflaggt, die zu den verschiedenen Versuchsfeldern führen und erste Messeinrichtungen installiert. Pünktlich zum 1. Advent konnte dann der Eisgang für alle frei gegeben werden.

Zu erwähnen ist, dass einige Gruppen schon lange vorher mit der Wissenschaft angefangen sind. Dazu gehört die Bathymetrie. Nach Verlassen der Wirtschaftszone Südafrikas wurde die Datenaufzeichnung der Echolotsysteme gestartet (Fächer- und Sedimentecholot). Diese dienen dazu, Daten über die Morphologie und Struktur des Meeresbodens zu gewinnen. Erste Auswertungen gaben einen Eindruck von der Struktur eines etwa 1000m hohen untermeerischen Berges, der aus dem etwa 4500m tiefen Agulhas-Becken aufragt und ein Vulkan sein könnte. Die Tiefendaten werden verwendet, um unbekanntes Gebiet zu kartieren. Die erhaltenen Daten werden an die 'International Hydrographic Organization' übermittelt, um internationale Seekarten zu verbessern. Das deutsche Projekt wurde aufgrund der vom Umweltbundesamt nicht erteilten Genehmigung bei 60°S beendet. Nun kann nur das russische Programm durchgeführt werden.

Nun sind alle Gruppen auf der Scholle aktiv und wir senden die besten Adventsgrüße nach Hause.

Im Namen der Expeditionsteilnehmer

Michael Spindler