Wochenbrief Nr. 10 (10.01. - 16.01.2005)

Dies ist nun der letzte Wochenbrief, den Sie von unserer ISPOL-Expedition erhalten. Wir befinden uns nun schon auf der östlichen Hälfte unseres Globus, die Temperaturen steigen stündlich an, und auf unserer Seekarte ist der afrikanische Kontinent schon sichtbar.

Aber erst einmal möchte ich den Verlauf der Reise chronologisch schildern. Am Montag Abend meldete sich Besuch auf Polarstern an, Admiral Triton mit Quasimodo kündigten die Polartaufe für den nächsten Tag an. Folgerichtig mussten sich dann am Dienstag 37 Ungetaufte den Prozeduren von Pastor, Frisör und anderen Kostümierten unterwerfen. Als am Abend dann vom Kapitän die Urkunden überreicht wurden und die jeweiligen 10 Euro in die Spendenkasse für die Tsunami-Opfer kamen, summierte sich der Gesamtbetrag auf die stolze Summe von 2200 Euro (wovon ein Großteil bei der Versteigerung zusammenkam, über die im letzten Wochenbrief schon berichtet wurde).

Die weiteren Tage der Woche waren von sehr stürmischen Winden geprägt, wobei die Stärken immer zwischen 7 und 8 schwankten. Zum Glück für die etwas Anfälligeren jedoch kamen der Wind und damit die auch über drei Meter hohe See jedoch von schräg achtern, so dass das Schiff sehr stabil durch die Wellen pflügen konnte. So wurden die Starkwindbreiten der südlichen Fünfziger und Vierziger ihrem Namen zumindest teilweise gerecht. Die Tage waren hauptsächlich mit zwei Dingen ausgefüllt: den morgendlichen Berichtsvorträgen der einzelnen Arbeitsgruppen sowie dem Packen der Polarkleidung und vor allem der Laborgeräte und -ausrüstungen, auch wenn einige Gruppen bis heute noch Messungen und Analysen durchführen. Die vorläufigen Ergebnisse dieser Reise sind beeindruckend und zeigen vor allem die hervorragende Kooperation zwischen den unterschiedlichen Gruppen und den Wissenschaftlern, die aus insgesamt elf Ländern kamen.

Am Sonnabend flaute der Wind zum ersten Mal in dieser Woche ab, bei milden 13,5°C regnete es jedoch, so dass die lange Vortragsveranstaltung am Morgen und das Stauen der Kisten nicht als zu große Belastung angesehen wurde. Am Sonntag trugen die letzten beiden Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse im Kinosaal vor. Am Nachmittag verhinderte dann die tiefe Wolkendecke einen letzten Helikopterflug zum Testen des neu kalibrierten EM-Birds (siehe dazu frühere Wochenbriefe), obwohl die See endlich bei nur noch 4 Windstärken sehr ruhig war. Am Abend wurde den Fahrtteilnehmern endgültig klar, dass sich die Reise dem Ende zuneigt. Die Temperaturen kletterten auf milde 16°C und Kapitän und Fahrtleiter hielten im Rahmen einer kleinen Feier ihre Expeditionsabschlussreden. Auch wenn wir jetzt noch zwei Tage und eine Nacht Dampfstrecke bis Kapstadt vor uns haben (etwas weniger als 700 nm) wurde übereinstimmend festgestellt, dass die ISPOL-Expedition äußerst erfolgreich verlaufen ist, dass die ersten Ergebnisse Anlass zu Hoffnung auf eine Reihe hochwertiger Publikationen geben, dass das Miteinander zwischen Besatzung und Wissenschaft reibungslos geklappt hat und schließlich, dass die Zusammenarbeit der verschiedenen Arbeitsgruppen und der verschiedenen Nationen vorbildlich war.

Am Ende einer langen, interessanten und sehr erfolgreichen Expedition grüßt Sie im Namen aller Fahrtteilnehmer

Michael Spindler